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Was ist der wirtschaftliche Mittelstand?

In einer Mehrheitsdemokratie hängt die Bedeutung einer einzelnen gesellschaftlichen Gruppe weniger von objektiven Bedeutungskriterien ab als vielmehr davon, welchen und wieviel Nutzen diese Einzelgruppe für die übrige Gesellschaft nach deren Ansicht hat.

In diesem Sinne haben die Unternehmer naturgemäß bei verwaltungswirtschaftlich denkenden Funktionärsgruppen einen geringen Stellenwert, während sie bei marktwirtschaftlich denkenden Menschen entsprechend hohe Werte haben müßten.

Durch die politische und publizistische Macht der großen Kapitalgesellschaften hat sich aber das Bild der Öffentlichkeit längst verwischt, daß für jedes Unternehmen ein Unternehmer notwendig ist. Für Kapitalgesellschaften ist nur Kapital notwendig, und die große Mehrheit der Bevölkerung weiß nicht, daß wir in unserer Wirtschaft nur 10% Kapitalgesellschaften haben, aber 90% Personalunternehmen, welche die eigentliche Marktwirtschaft ausmachen.

Die Anerkennung der Unternehmerleistung steht aber auch noch unter einem anderen historischen Unstern: Seit Marx gelten allen seinen geistigen Nachfolgern die Unternehmer immer noch als Ausbeuter. Selbst wo wirtschaftsfernen Menschen inzwischen klar geworden ist, daß Arbeitsplätze, Einkommen und Wohlstand offenbar mit Betrieben zu tun haben , hat dies z.B. in der Politik der sozialistischen Parteien nur dazu geführt, daß Betriebe als gut gelten und unterstützt werden; - das hat aber die grundsätzlich negative Einstellung gegenüber den Unternehmern immer noch nicht geändert, wie die Steuerpolitik vielfach beweist.

Die Bedeutung der Unternehmer wird aber auch je nach unterschiedlichem Wohlstand einer Gesellschaft unterschiedlich bewertet: Als nach dem verlorenen Kriege Deutschland wirtschaftlich am Ende und beim Wiederaufbau war, konnten wirtschaftliche Produktion und Güter nur von neuen Betrieben, also von Unternehmern, die solche neuen Betriebe gründeten, erwartet werden.

So waren nach dem Krieg der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder Folgen besonderer Unternehmerinitiative. Die Unternehmer waren aber nicht nur die Initiatoren dieses Wiederaufbaus, sondern konnten dessen Früchte auch zuerst genießen. Der Zusammenhang zwischen Leistung und Leistungsertrag war der Gesamtbevölkerung klar, so daß die Mehrheit die Unternehmer deshalb als Vorläufer des "Wohlstands für alle" anerkannte. Je mehr aber alle gewissen Wohlstand erreichten, desto weniger wurde dieser Wohlstand noch mit der Unternehmerleistung identifiziert. Vielmehr haben sich die Sozialfunktionäre einem immer größeren Teil der Gesamtgesellschaft mit immer üppigeren Sozialleistungen als Wohlstandsbringer präsentieren können und damit die Diskussion um Leistung, Leistungsertrag und Umverteilung in eine neue Richtung von Gleichheit und angeblicher sozialer Gerechtigkeit umgebogen. Dadurch wurde in der Gesellschaft eine zunehmende ideologische Unternehmerablehnung erreicht. Bevorzugte Studienwünsche waren in den siebziger Jahren Sozialberufe aller Art. Die gesellschaftliche Führungsrolle der Unternehmer wurde schließlich durch eine neue Führungsrolle der Sozialfunktionäre abgelöst.

Aus diesem Grunde ist eine Rückbesinnung auf den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Unternehmer unerläßlich. Nur wenn die Mehrheit der Bevölkerung diese gesellschaftliche Gruppe wieder als persönlichen Nutzen für sich empfindet und unseren derzeitigen Wohlstand wieder als Leistung der Unternehmerschaft erkennt, kann daraus auch wieder ein höheres Ansehen der Unternehmer, mehr Attraktion des Unternehmerberufes und mehr Unternehmernachwuchs für mehr Betriebe, für mehr Arbeitsplätze und für mehr Wirtschaftswachstum entstehen.

 

Nicht einer, sondern vier Betriebstypen

Die herrschende Lehre geht in ihren Betrachtungen von einem Standardbetriebstyp aus, welcher einem großen Produktionsbetrieb entspricht. Das Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V. hat dargestellt, dass mit dieser Annahme volkswirtschaftliches Handeln nicht zutreffend genug dargestellt werden kann (vgl. Dr. Eike Hamer, Zusammenhänge zwischen Betriebstyp und Führungsverhalten, Diss. 2007). Die Anbieter von Gütern und Dienstleistungen in jeder Volkswirtschaft müssen aber in vier verschiedene Betriebstypen, den Kapitalgesellschaften, den mittelständischen Unternehmen gleich inhabergeführten Unternehmen, den gemeinnützigen Organisationen und den öffentlichen Unternehmungen untergliedert werden. Sie alle sind nämlich so wesensverschieden voneinander, dass für ihr Verhalten am Markt kein ausreichend großer gemeinsamer Nenner festgestellt werden kann, der aber notwendig wäre, um einheitliches Entscheidungsverhalten annehmen zu dürfen. In der oben genannten Arbeit wird gegenübergestellt, wie und warum die verschiedenen Betriebstypen anders funktionieren, sich anders am Markt verhalten und andere Bedürfnisse an ihre Umwelt haben.

Weil Politik und Großindustrie den größten Teil der Wirtschaft – nämlich mindestens zwei der vier Betriebstypen – bei ihren Betrachtungen ausgeblendet haben, schlossen sie regelmäßig von einer Minderheit der Betriebe auf das gesamte Marktgeschehen. Das Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V. weist seit längerem schon auf diese Missstände hin und hat in der Dissertationsschrift aufgezeigt, wo die herrschende Lehre noch Anpassungsbedarf hat. Die mittelständischen Unternehmen (Inhaberbetriebe) und deren Besonderheiten können und dürfen nicht ausgeblendet werden, wenn man Aussagen über „die Wirtschaft“ treffen will.

 

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